Ohne bekannten Diabetes liegt der Blutzucker nüchtern üblicherweise zwischen 70 und unter 100 mg/dl (3,9 bis unter 5,6 mmol/l). Zwei Stunden nach einer Mahlzeit sollte er wieder unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l) liegen. Auch mit 70 Jahren gelten für die Diabetesdiagnostik keine pauschal höheren Grenzwerte.

Bei einem Menschen mit behandeltem Diabetes kann dagegen ein höherer Wert zum ärztlich vereinbarten Therapieziel passen. Für Betreuungskräfte ist deshalb entscheidend: Wann wurde gemessen, liegt Diabetes vor und wie geht es der Person gerade? Diese Übersicht hilft bei der Einordnung und beim sicheren Handeln. Sie ersetzt keine ärztliche Diagnose oder persönliche Behandlungsanweisung.

Nüchtern und nach dem Essen: Werte richtig vergleichen

Was bedeutet „nüchtern“?

Für eine diagnostische Nüchternmessung dürfen mindestens acht Stunden lang keine Kalorien aufgenommen worden sein. Ein Kaffee mit Milch oder ein kleines Frühstück macht den Wert also bereits zu einem anderen Messwert. Die diagnostischen Grenzwerte beziehen sich auf eine Laborbestimmung aus venösem Blutplasma.

Die folgende Tabelle zeigt die Diagnosebereiche nach diabinfo.de. Der orale Glukosetoleranztest, kurz oGTT, findet unter standardisierten Bedingungen mit einer Lösung aus 75 Gramm Glukose statt.

MessungEinordnungmg/dlmmol/l
NüchternUnauffällig hinsichtlich erhöhter WerteUnter 100Unter 5,6
NüchternErhöhtes Diabetesrisiko, Prädiabetesbereich100–1255,6–6,9
NüchternDiabetischer BereichAb 126Ab 7,0
Zwei Stunden nach Glukoselösung im oGTTNormale GlukosetoleranzUnter 140Unter 7,8
Zwei Stunden nach Glukoselösung im oGTTGestörte Glukosetoleranz, Prädiabetesbereich140–1997,8–11,0
Zwei Stunden nach Glukoselösung im oGTTDiabetischer BereichAb 200Ab 11,1

Die Angaben in mmol/l sind gerundet. Für die Umrechnung gilt näherungsweise: mg/dl geteilt durch 18 ergibt mmol/l. Ein Wert von 180 mg/dl entspricht somit 10,0 mmol/l. Die Tabelle beurteilt erhöhte Werte; ein Wert unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) ist eine Unterzuckerung und verlangt gesondertes Handeln.

Nach einer normalen Mahlzeit gelten andere Messbedingungen

Nach dem Essen steigt der Blutzucker zunächst an. Als Orientierung für Menschen ohne Diabetes nennt diabinfo einen Wert unter 140 mg/dl zwei Stunden nach einer Mahlzeit. Halten Sie fest, wann die Mahlzeit begonnen hat: „Nach dem Essen“ allein ist für einen Vergleich zu ungenau.

Eine Messung nach dem Mittagessen ersetzt keinen oGTT. Zusammensetzung und Menge der Mahlzeit unterscheiden sich von der standardisierten Glukoselösung. Aus einem einzelnen Fingerbeerenwert lässt sich daher keine Diabetesdiagnose ableiten. Auffällige Werte müssen ärztlich eingeordnet und in der Regel durch weitere Labormessungen bestätigt werden.

HbA1c: Was der Langzeitwert aussagt

Der HbA1c beschreibt den durchschnittlichen Blutzuckergehalt der vergangenen acht bis zwölf Wochen. Er wird aus einer Blutprobe bestimmt; dafür muss die Person nicht nüchtern sein. Anders als die aktuelle Glukosekonzentration wird er in Prozent oder mmol/mol angegeben, nicht in mg/dl oder mmol/l.

Für die diagnostische Einordnung gilt: Unter 5,7 Prozent beziehungsweise 39 mmol/mol liegt der HbA1c im unauffälligen Bereich. Von 5,7 bis unter 6,5 Prozent besteht ein erhöhtes Diabetesrisiko. Ab 6,5 Prozent beziehungsweise 48 mmol/mol liegt er im diabetischen Bereich. Ab 60 Jahren ist die diagnostische Aussagekraft des HbA1c eingeschränkt, besonders nahe der Diagnosegrenze: Der Wert kann mit dem Alter auch ohne Diabetes ansteigen. Darauf weist diabinfo bei den Diagnosekriterien hin. Grenznahe Ergebnisse müssen deshalb ärztlich zusammen mit weiteren Glukosemessungen und möglichen Beschwerden beurteilt werden. Daraus ergibt sich kein pauschal höherer Grenzwert für 70-Jährige.

Als Durchschnittswert zeigt der HbA1c nicht, ob der Blutzucker gerade gefährlich niedrig oder hoch ist. Bei plötzlich auftretenden Beschwerden zählen der aktuelle Zustand und die aktuelle Messung. Ein zuletzt guter HbA1c ist kein Grund, Warnzeichen abzuwarten.

Warum bei Diabetes andere Therapieziele gelten

Gesundheit und Selbstständigkeit sind entscheidend

Diagnostische Grenzwerte helfen festzustellen, ob Diabetes vorliegt. Therapieziele beschreiben, welche Einstellung für eine bereits erkrankte Person sinnvoll und sicher ist. Deshalb kann beispielsweise ein HbA1c von 7,4 Prozent bei einem älteren Menschen mit Diabetes innerhalb des vereinbarten Zielbereichs liegen, obwohl er oberhalb der Diagnosegrenze liegt.

Mit 70 können Menschen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Selbstständigkeit, Begleiterkrankungen und das Risiko für Unterzuckerungen beeinflussen die Zielvereinbarung. Die Übersicht von diabinfo zu Diabetes im Alter und in der Pflege nennt folgende mögliche Orientierungen:

Gesundheitliche Situation bei bestehendem DiabetesMöglicher HbA1c-Zielbereich
Ältere Menschen ohne größere zusätzliche Einschränkungen6,5–7,5 Prozent
Sehr alte Menschen mit mehr Einschränkungen, noch ohne PflegebedürftigkeitBis 8,0 Prozent
Menschen mit Pflegebedürftigkeit oder sehr starken EinschränkungenUnter 8,5 Prozent

Das sind Beispiele für ärztliche Zielvereinbarungen, keine Normalwerte für alle 70-Jährigen. Ein höher zugelassener HbA1c soll insbesondere gefährliche Unterzuckerungen vermeiden helfen. Er ist keine Aufforderung, dauerhaft möglichst hohe Zuckerwerte anzustreben.

Der persönliche Plan gehört zur Übergabe

Lassen Sie sich den individuellen Zielbereich für die täglichen Messungen schriftlich geben. Dazu gehören Messzeitpunkte, Grenzen für eine Rücksprache und ein Notfallplan. Ein HbA1c-Ziel allein beantwortet nicht, was bei einem auffälligen Wert vor dem Frühstück zu tun ist.

Insulindosen oder Tabletten werden nicht eigenmächtig verändert. Wenn eine Korrektur vorgesehen ist, muss sie im ärztlichen Plan eindeutig beschrieben sein und von der dafür zuständigen, angeleiteten Person durchgeführt werden.

Messen und dokumentieren im Betreuungsalltag

Wir bei Avanti Medic unterstützen die Betreuung im häuslichen Alltag. Bei medizinischen Aufgaben müssen Zuständigkeit und Anleitung vorab mit der behandelnden Praxis beziehungsweise dem Pflegedienst geklärt sein. Übernehmen Sie nur Messungen und Maßnahmen, die für Ihren Einsatz ausdrücklich vereinbart sind.

Vor einer Fingerbeerenmessung werden die Hände gewaschen und gut abgetrocknet. Essensreste an den Fingern können das Ergebnis verfälschen. Ist ein Wert unerwartet und die Person beschwerdefrei, lässt sich eine mögliche Fehlmessung durch eine sorgfältige Kontrollmessung prüfen. Bei schweren Beschwerden darf das die Hilfe nicht verzögern.

Ein brauchbarer Eintrag im Blutzuckertagebuch enthält:

  • Datum, Uhrzeit, Messwert und Einheit;
  • Bezug zur Mahlzeit, beispielsweise „nüchtern“ oder „zwei Stunden nach Beginn des Mittagessens“;
  • Beschwerden und Besonderheiten, etwa deutlich weniger gegessen als üblich;
  • durchgeführte Maßnahme, Kontrollwert und gegebenenfalls die Rückmeldung der Praxis.

Ein fiktives Dokumentationsbeispiel: „14:00 Uhr, 162 mg/dl beziehungsweise 9,0 mmol/l, zwei Stunden nach Beginn des Mittagessens, keine Beschwerden. Wert dokumentiert und mit dem persönlichen Plan abgeglichen.“ Ob dieser Wert Handlungsbedarf auslöst, hängt bei bestehendem Diabetes vom vereinbarten Ziel ab.

Wann ärztlichen Rat einholen, wann sofort 112?

Auffällige Werte ohne akute Beschwerden

Ohne bekannte Diabetesdiagnose sollten wiederholte Nüchternwerte von 100 bis 125 mg/dl ärztlich abgeklärt werden. Bei nüchtern mindestens 126 mg/dl oder einem unabhängig von Mahlzeiten gemessenen Wert ab 200 mg/dl ist eine zeitnahe ärztliche Prüfung erforderlich. Diese Zahlen allein bedeuten bei einer beschwerdefreien Person nicht automatisch einen Rettungsdiensteinsatz.

Bei bekanntem Diabetes richtet sich die Rücksprache nach dem persönlichen Plan. Melden Sie wiederholte Unterzuckerungen oder unerklärliche Veränderungen. Bei Werten über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) sind für das weitere Vorgehen die Beschwerden, gegebenenfalls Ketonergebnisse und der ärztliche Korrekturplan maßgeblich, wie die Hinweise von diabinfo zur Überzuckerung erläutern. Bleiben die Werte trotz der vorgesehenen Maßnahmen hoch oder fehlt eine klare Anweisung, holen Sie zeitnah ärztlichen Rat ein. Bei starkem Durst, häufigem Wasserlassen oder zunehmender Schwäche ist eine umgehende Rücksprache erforderlich; bei den unten genannten schweren Warnzeichen sofort 112 rufen. Insulin darf nur nach dem persönlichen Plan durch die dafür zuständige, angeleitete Person korrigiert werden.

Unter 70 mg/dl: sofort auf eine Unterzuckerung reagieren

Schwitzen, Zittern und Unruhe können auf eine Unterzuckerung hinweisen. Besonders gefährdet sind Menschen, die Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Tabletten wie Sulfonylharnstoffe erhalten. Die Empfehlungen zur Unterzuckerung sehen schnell wirksame Kohlenhydrate und eine engmaschige Kontrolle vor.

  1. Wenn die Person wach ist und sicher schlucken kann: schnell wirksame Kohlenhydrate geben, beispielsweise Traubenzucker mit insgesamt etwa 20 Gramm Kohlenhydraten. Die Menge pro Stück steht auf der Packung. Alternativ eignet sich ein entsprechend bemessenes zuckerhaltiges Getränk; Light- und Zero-Produkte helfen hier nicht.
  2. Bei der Person bleiben und nach 15 Minuten erneut messen.
  3. Besteht die Unterzuckerung weiter, richten sich weitere Kohlenhydratgaben nach dem persönlichen Notfallplan. Holen Sie medizinische Hilfe hinzu, wenn keine Besserung eintritt oder die Unterzuckerung anhält. Das Erste-Hilfe-Schema von diabinfo beschreibt das Vorgehen im Notfall. Bei Verschlechterung sofort 112 rufen.

Schokolade eignet sich für die schnelle Korrektur weniger gut, weil ihr Fettgehalt die Zuckeraufnahme verzögert. Auch nach einer erfolgreichen Korrektur gehören die weitere Kontrolle und die Ursachenklärung zum vereinbarten Vorgehen.

Diese Warnzeichen sind ein Notfall

Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen, schwerer Benommenheit oder fehlender Schluckfähigkeit sofort 112 rufen. Der Notruf gilt in Deutschland und Polen. Geben Sie einer bewusstlosen oder nicht sicher schluckfähigen Person nichts zu essen oder zu trinken: Es besteht Erstickungsgefahr. Bleiben Sie bei ihr und folgen Sie den Erste-Hilfe-Anweisungen der Leitstelle.

Eine starke Überzuckerung kann ebenfalls lebensbedrohlich werden. Erbrechen zusammen mit auffällig tiefer Atmung, süßlich riechendem Atem oder einer Bewusstseinsveränderung sind Warnzeichen einer möglichen schweren Stoffwechselentgleisung. Rufen Sie dann sofort Hilfe; warten Sie nicht auf einen bestimmten Messwert.

Teilen Sie der Leitstelle die Beschwerden, eine bekannte Diabeteserkrankung und den letzten Messwert samt Einheit mit. Spritzen Sie bei unklarer Situation kein Insulin auf Verdacht. Weitere Hinweise bietet das Erste-Hilfe-Schema für Diabetes-Notfälle.

Vor dem nächsten Betreuungseinsatz klären

Bitten Sie bei der Übergabe um den schriftlichen Ziel- und Notfallplan sowie die Telefonnummern der behandelnden Praxis und des zuständigen Pflegedienstes. Prüfen Sie gemeinsam, welche Einheit das Messgerät anzeigt und wo schnell wirksame Kohlenhydrate liegen. Fehlt eine klare Anweisung für auffällige Werte, lassen Sie diese vor der eigenständigen Übernahme der vereinbarten Aufgaben ergänzen.